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Coworking Space in der Orangery Hameln

Coworking statt Homeoffice – eine gute Alternative?

Homeoffice ist seit Jahren das angestrebte Ziel vieler Arbeitnehmer, die Vorstellung des ultimativen Arbeitserlebnisses. Wo viele Chefs jahrelang auf die physische Präsenz ihrer Mitarbeiter gepocht haben, hat Corona innerhalb kürzester Zeit ein Umdenken erzwungen.

Da sind sie nun alle in ihrem Homeoffice. Und das läuft alles auch erstmal überraschend gut. Aktuelle Stepstone-Studien ergeben, dass ein großer Teil der Arbeitnehmer das Gefühl hatte, ihr Unternehmen sei gut auf mögliche Heimarbeit der Mitarbeiter vorbereitet gewesen, und ungefähr zwei Drittel können ihre Arbeit auch zuhause uneingeschränkt fortführen

Der Professor und Direktor des Münchner Max-Planck-Instituts für Innovation und Wettbewerb sagt dazu: „Die Unternehmen sollten nach der Krise nicht zu den alten Organisationsmustern zurückkehren [...] Heimarbeit sei nicht nur eine Frage der Organisationskultur. Sie führe auch zu neuen Führungskonzepten und stärke Digitalisierung und Innovationsfähigkeit.”

Trotzdem lässt der Hype der ersten Wochen inzwischen deutlich nach. Und es stellt sich immer öfter die Frage, ob Homeoffice wirklich das Nonplusultra ist. Das liegt an folgenden Problemen: Angestellte, die vorher an ihrem Arbeitsplatz im Büro eine feste Tagesstruktur gewohnt waren, müssen sich diese mit ihrer Arbeit zuhause erst schaffen.

Die bereits erwähnte Selbstorganisation ist dabei auf den zweiten Blick mehr Fluch als Segen. Effektives Arbeiten erfordert eine gute Struktur. Doch ist es schwierig, eine Struktur in seine Arbeit zu bringen, wenn einem ständig der Alltag in den Workflow grätscht. Besonders (alleinerziehende) Eltern bekommen das jetzt zu spüren. Neben der Organisation des Haushalts und der Bespaßung des Juniors, mal eben das normale 100-Prozent-Pensum abarbeiten. Da bleibt weder Zeit für Langeweile noch für sich selbst. Eine Frage, die leider oft ungeklärt bleibt: Wann und wie muss man eigentlich erreichbar sein? Viele kämpfen mit unregelmäßigen Arbeitszeiten. Das führt zu einer Entgrenzung von Arbeit – Menschen machen zuhause seltener Pause und arbeiten dafür mehr.

Dass das früher oder später auf den Gemütszustand schlägt, wird mittlerweile sehr deutlich. Die Menschen fühlen sich müde und sind gestresster. Es ist schwierig, an einem notdürftig eingerichteten Schreibtisch zwischen Bügelbrett und Gästebett produktiv zu sein und soziale Kontakte auf Web-Meetings und Telefonate mit Kollegen zu reduzieren.

Die Corona-Krise macht deutlich, dass eine physische Präsenz der Mitarbeiter für produktives Arbeiten vielleicht nicht zwingend nötig ist – wohl aber für eine langfristige Zufriedenheit.

Doch neben Angestellten sitzt auch noch eine zweite Gruppe zu Hause: Selbstständige. Homeoffice ist für jene, die ihre Arbeit seit jeher selbst einteilen können, eine größere Selbstverständlichkeit. Trotzdem – Selbstständige, die derzeit im Homeoffice arbeiten, leiden deutlich stärker unter der aktuellen Situation als Angestellte. Im Worst Case bedeutet Homeoffice aktuell für Selbstständige, auftragslos zu Hause zu sitzen und dabei zu versuchen, sich selbst über Wasser zu halten und das Geschäft durch diese Krise zu bringen. In solchen Zeiten ist es wichtiger denn je, kreativ zu sein. Im günstigsten Fall verfügt man über ein Netzwerk, in dem man versucht, sich gegenseitig zu unterstützen und Hilfestellungen zu geben. Wer für sich alleine kämpft, hat es deutlich schwerer.

Warum also nicht zusammenhalten. Unsere Idee? Coworking. Na klar, was auch sonst. Aber wenn man ehrlich ist: Die Option ist durchaus einen genaueren Blick wert, verspricht sie doch ebenfalls ein innovatives Arbeitskonzept. Das Ziel ist es, am Arbeitsplatz eine Atmosphäre der Selbstständigkeit und -verwirklichung zu erzeugen, Hierarchien und Büro-Tradition bewusst aufzubrechen.

Warum also nicht zusammenhalten. Unsere Idee? Coworking. Na klar, was auch sonst. Aber wenn man ehrlich ist: Die Option ist durchaus einen genaueren Blick wert, verspricht sie doch ebenfalls ein innovatives Arbeitskonzept. Das Ziel ist es, am Arbeitsplatz eine Atmosphäre der Selbstständigkeit und -verwirklichung zu erzeugen, Hierarchien und Büro-Tradition bewusst aufzubrechen.

Man arbeitet nicht zwingend räumlich mit seinen Kollegen oder Vorgesetzten zusammen. Dennoch spielt soziale Interaktion eine wichtige, vielleicht sogar die wichtigste Rolle: Coworking soll den Austausch und die Begegnung von Menschen fördern, die vielleicht ganz unterschiedliche Tätigkeitsfelder oder Vorstellungen haben. Solche Begegnungen fördern Innovation und gegenseitige Inspiration. Es entstehen neue Ideen auf einer ungezwungenen Basis und nicht, weil ein Virus die ganze Welt zu einer Umstrukturierung zwingt. Diese entstehenden Netzwerke sind ein Grund, warum Coworking besonders für Selbstständige und Gründer, die in der Anfangszeit mit ihrem Unternehmen oft alleine dastehen, so attraktiv sind.

Aber auch für alteingesessene Unternehmen mit zahlreichen Mitarbeitern bietet sich Coworking an. In Bezug auf Innovation und Digitalisierung up to date zu bleiben, ist für große Unternehmen nicht unerheblich – das hat die Corona-Krise schnell klargestellt. Das Zusammenkommen von etablierten Unternehmen mit kleinen innovativen und experimentierfreudigen Start-ups kann dabei nur förderlich für den Zeitgeist des Unternehmens und die Zufriedenheit der Angestellten sein. Von der Auslagerung von Mitarbeitern oder auch ganzen Projekten oder Abteilungen in ein derartiges neues Arbeitsumfeld kann sich ein Arbeitgeber einen großen Aufschwung der Kreativität seiner Mitarbeiter versprechen.

Ein Coworking-Space löst das Homeoffice Problem auch auf einer organisatorischen Ebene. Man bekommt eine Infrastruktur geboten, die es dem Homeworker erspart, in mühevoller Eigenregie benötigtes Büro-Equipment zusammenzusammeln und Verantwortungen und Haftungen für dies und jenes abzuklären. Aus der Haustür zu gehen und sich in ein produktives Arbeitsumfeld außerhalb des heimischen Wohnzimmers zu begeben, grenzt Alltag und Arbeit auf eine gesunde Weise voneinander ab. Der Tagesgestaltung kann wieder ein Rahmen gegeben werden.

Für Angestellte mit einer längeren Anfahrt in ihr Büro kann ein Coworking-Space sowohl den Kosten-, als auch den Zeitaufwand, den das Pendeln mit sich bringt, erheblich verringern. Große Städte haben bereits ein breites Angebot von Coworking-Spaces an unterschiedlichen Standorten, aber auch in kleineren Städten und ländlichen Regionen hält der Arbeitstrend langsam aber sicher Einzug. Es ist gar nicht so unwahrscheinlich, einen Coworking-Space zu finden, der näher am Eigenheim liegt als das Büro. Eltern erleben eine enorme Entlastung, wenn morgens jede Minute zählt, um die Kleinen für die Kita fertig zu machen. Oder nachmittags, wenn der Berufsverkehr einem einen Strich durch die Rechnung macht, wenn man die Kinder eben dort auch rechtzeitig wieder abholen muss. Das banale bisschen Zeit, das man plötzlich zweimal am Tag spart, sorgt dafür, dass man Freizeitaktivitäten wieder aufnehmen kann, denen man aus Zeitmangel bereits vor Jahren abgeschworen hat – oder, dass aus dem schnellen Espresso-Date mit der besten Freundin vielleicht ein richtiger Kaffee werden kann. Und wie von selbst wird Spritgeld gespart und der ökologische Fußabdruck verbessert.

Die meisten Coworking-Spaces bieten Verträge von unterschiedlicher Dauer mit flexiblen Kündigungsfristen an, die man beispielsweise auch von Streaming-Diensten wie Amazon oder Netflix kennt. Flexibilität wird geboten durch Tages-, Wochen- oder Monatstickets. Coworking soll eine Option sein, keine Verpflichtung. Wer diese Arbeitsform nicht als dauerhafte Lösung für sich sieht und vielleicht nach wie vor für das Team Homeoffice spielt, kann sie so temporär trotzdem in Anspruch nehmen.

Die coronabedingte finanzielle Krise zeigt trotzdem, dass flexible Kündigungsfristen eine entsprechende Reaktion auf ungeplante Schwierigkeiten ermöglichen. Unternehmen, aber auch Selbstständige müssen sich nicht jahrelang durch Verträge binden und keine Miete bezahlen, wenn die Mitarbeiter nicht mal ins Büro kommen können und die finanzielle Situation die Miete auch eigentlich gar nicht tragen kann. Wir sind zu großen Teilen nicht dafür gemacht, langfristig alleine zu sein und zu arbeiten – sei es aus psychologischer oder aus wirtschaftlicher Sicht. Das zeigt Corona gerade sehr deutlich. Mit anderen in seiner Arbeit zusammenzukommen und sich vielleicht inspirieren zu lassen, seinen Blickwinkel zu verändern oder zu erweitern: Wer es zulässt, dem kann Coworking eine große Hilfe sein.

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